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Mission Zukunft: Wie japanische High-Tech-Impulse den Nordschwarzwald zum Innovations-Hub machen

Mission Zukunft: Wie japanische High-Tech-Impulse den Nordschwarzwald zum Innovations-Hub machen

Messe Tokyo Big Sight. Bild: Gerd Lache
NexTech Week 2026, Tokio, Quantencomputing. Bild: Gerd Lache

Der Nordschwarzwald wird in den kommenden Jahren zu einem lebenden Reallabor für eine pulsierende Zukunftsregion umgestaltet. Das zumindest ist der ehrgeizige Plan, den der Pforzheimer Wirtschaftsprofessor Dr. Bernhard Kölmel Impuls-beladen von seiner Scout-Reise aus dem Epizentrum der asiatischen Tech-Welt in Japan mitgebracht hat. Dort sorgte er mit Vorträgen über das regionale Transformationsnetzwerk TraFoNetz für großes Interesse.

Auf der „NexTech Week 2026“ in Tokio präsentierte Professor Bernhard Kölmel das Transformationsnetzwerk (TraFoNetz) Nordschwarzwald vor internationalem Fachpublikum.

Die Leitmesse für Künstliche Intelligenz, Blockchain, Quantencomputing, Humanoid-Robotik und digitales Talentmanagement war für den Vorsitzenden des TraFoNetz-Transformationsbeirats ein „Seismograph für technologische Verschiebungen, die auch die Zulieferindustrie unserer Region erreichen werden“. Japan nutze diese Technologien laut Kölmel als Antwort auf den demografischen Wandel und den massiven Fachkräftemangel, allesamt Herausforderungen, die ebenfalls den Nordschwarzwald prägten.

„In meinen Gesprächen und Vorträgen habe ich TraFoNetz als mittelständisches Hightech-Cluster und Transformationsplattform im Nordschwarzwald vorgestellt, als größtes regionales Netzwerk, das Unternehmen, Beschäftigte, Wissenschaft, Verbände und Politik zusammenbringt, um den Wandel der Automobilzulieferindustrie aktiv zu gestalten.“ Die Resonanz in der Megacity Tokio sei bemerkenswert positiv gewesen. Besonders das Konzept, eine ländlich-industrielle Region durch ein bundesgefördertes Transformationsnetzwerk strategisch zu steuern, sei auf japanisches Interesse gestoßen, ebenso der Ansatz, Automobil-Zulieferer systematisch für neue Märkte wie Robotik, Umwelt- und Energietechnik sowie Medizintechnik zu befähigen.

Als besonders inspirierenden Teil seiner Reise bezeichnet Kölmel den Besuch in Susono, etwa 130 Kilometer von Tokio entfernt. Das dort von Toyota initiierte und mit zehn Milliarden US-Dollar finanzierte Projekt „Woven City“(vernetzte Stadt) am Fuße des Fuji, Japans höchstem Berg mit seiner typischen Schneekrone, sei eine echte Stadt mit echten Bewohnern, die im Alltag Technologien erproben. In der ersten Phase leben dort seit September 2025 rund 300 sogenannte Weavers (Netzwerker) – Familien, Wissenschaftler, Mitarbeitende. Sie seien umgeben von autonomen Shuttles, Lieferrobotern, KI-gestützter Infrastruktur und Wasserstoff-Brennstoffzellen. 2000 Bewohner sind das nächste Ziel.

Was Kölmel am stärksten beeindruckte: „Das integrierte Zusammenspiel aus Energieversorgung und dem dreistufigen Straßensystem mit getrennten Ebenen für schnelle autonome Fahrzeuge, gemischte Zonen und reine Fußgängerflächen.“ Trotz der hochgradig technischen Umgebung fühlten sich die Bewohner nicht wie Versuchspersonen. Die Philosophie von Toyota in Woven City: der Mensch im Mittelpunkt, nicht die Technologie. Kölmel leitet daraus eine klare Lehre für die heimischen Betriebe ab: „Bei der Einführung neuer Technologien müssen die Perspektiven von Beschäftigten und Bürgern von Anfang an eingebunden werden, durch Reallabore, Pilotprojekte und Beteiligungsformate, in denen der Nutzen spürbar wird.“

Ein Begriff, der Kölmel besonders auffiel: „Kakezan“, japanisch für Multiplikation. In Woven City stehe Kakezan für das Prinzip, dass Unternehmen aus völlig verschiedenen Branchen durch Kooperation Innovationen erzeugen, die kein Akteur allein schaffen könnte. Für den Pforzheimer Wirtschaftsprofessor ist dies direkt auf den Nordschwarzwald übertragbar: „Unsere Zulieferer bringen Präzision, Qualität und Skalierungsfähigkeit ein, während Partner aus Medizintechnik, Umwelttechnik, Verteidigung oder Luft- und Raumfahrt ihr Domänenwissen und regulatorische Expertise beisteuern. Genau diese Multiplikation möchte ich mit Kontakten aus Japan und anderen Ländern hier in der Region weiter vorantreiben.“

Die Botschaft aus Japan für den Nordschwarzwald laute: „Fertigungskompetenz schärfen, in Kakezan-Partnerschaften einbringen und darüber neue Lösungen für Robotik, Energiesysteme oder Medizingeräte entwickeln.“

Jochen Protzer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald (WFG), die das Projekt TraFoNetz federführend betreut, sieht in den Ergebnissen von Kölmels Scouting-Reise einen entscheidenden Katalysator: „Die Erkenntnisse aus Japan bestätigen unseren Weg, wir dürfen den Wandel nicht nur verwalten, sondern müssen ihn aktiv mitgestalten. Die Brücke zwischen globaler Tech-Vision und unserer regionalen Umsetzungsstärke ist das TraFoNetz – damit bringen wir das notwendige Wissen direkt in die Unternehmen des Nordschwarzwalds.“

Quelle: Gerd Lache