/
/
Zukunftsmarkt Verteidigung: Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald lotet Chancen auf der Enforce Tac 2026 aus

Zukunftsmarkt Verteidigung: Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald lotet Chancen auf der Enforce Tac 2026 aus

(von links): Claus Kapp, Head of Sales, alutec metal innovations GmbH & Co. KG; Dr. Patrick Rapp, MdL, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Baden-Württemberg; Jochen Protzer Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH; Gunnar Mey, Geschäftsführer Baden-Württemberg International (BW_i)
Nordschwarzwald-Delegation (von links): Matthias Friedrich, WFG NSW; Yannik Rauschert, MCD Elektronik GmbH; Marcel Rath, WFG NSW; Claus Kapp, Head of Sales, alutec metal innovations GmbH & Co. KG; Jochen Protzer Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH. Foto: privat

Während die Automobilindustrie mit dem Transformationsdruck ringt, öffnet sich für Zulieferer aus dem Nordschwarzwald eine neue Tür: der Verteidigungs- und Sicherheitssektor. Dass dies weit mehr als eine bloße Nische ist, zeigte die Messe Enforce Tac 2026 (23.-25. Februar). Inmitten von rund 1.400 Ausstellern und über 20.000 Fachbesuchern war eine Delegation aus dem Nordschwarzwald zum Informationsbesuch in Nürnberg.

Unter der Regie der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH (WFG) und des Projekts Transformationsnetzwerk (TraFoNetz) Nordschwarzwald besuchten regionale Akteure die deutsche Leitmesse für Sicherheit und Verteidigung, um strategische Anknüpfungspunkte für die heimische Industrie zu identifizieren.

Zwischen Hightech-Robotik und Präzisionsmechanik

Der Messerundgang, an dem unter anderem Vertreter der MCD Elektronik GmbH (Birkenfeld) und der alutec metal innovations GmbH & Co. KG (Sternenfels) teilnahmen, führte gezielt zu Unternehmen, die bereits heute zeigen, wie Schwarzwälder Präzision im Defence-Bereich punktet. Ob die Walter Finkbeiner GmbH aus Freudenstadt mit ihrer Hebebühnentechnik für Armeefahrzeuge oder die Pforzheimer Elma Electronic GmbH, die slotbasierte PC-Speicherelemente für Raketensysteme ausstellte – die regionale Kompetenz ist bereits zum Teil im Markt verwurzelt.

„Die EnforceTac in Nürnberg zeigte sehr klar, wie viel Innovationskraft aktuell im Markt steckt. Für uns war der Besuch extrem wertvoll, weil sich konkrete Anknüpfungspunkte für neue Geschäftsbeziehungen ergeben haben“, resümiert Yannik Rauscher von MCD Elektronik. Auch Claus Kapp, Head of Sales bei alutec metal innovations, betonte den Wert der Informationsfahrt: „Neben interessanten Gesprächen konnten die Möglichkeiten und Chancen im wachsenden Defence-Bereich ermittelt werden. Dazu bestand auch die Möglichkeit des Austausches mit Patrick Rapp, dem baden-württembergischen Staatssekretär im Wirtschaftsministerium.“

Vernetzte Sicherheit als Leitmotiv

Unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzler Friedrich Merz stand die Messe im Zeichen der „Vernetzten Sicherheit“. Ein Thema, das für Zulieferer aus dem Bereich Elektronik und Software-Entwicklung enorme Chancen bietet. Trends wie Cybersecurity, KI-gestützte Lagebilder und unbemannte Systeme (Drohnen) prägten das Bild in den Hallen.

Dass der Markt international hungrig nach Produktionskapazitäten ist, zeigten die Besuche am Austrian Pavilion und beim Norwegian Defense Industry Pavilion „Besonders die Norweger suchen aktiv nach Kooperationspartnern in der EU, um Engpässe in der Fertigung abzufedern – eine Steilvorlage für die hochspezialisierte Metallbearbeitung und Elektronikfertigung im Nordschwarzwald“, resümiert Matthias Friedrich vom WFG-Team.

Diversifizierung als Überlebensstrategie

Für die Wirtschaftsförderung und TraFoNetz sei dieser Messebesuch Teil einer größeren Strategie, macht WFG-Mitglied Marcel Rath deutlich. Automobilzulieferer, die über Jahrzehnte von der Verbrenner-Technologie gelebt hätten, müssten sich breiter aufstellen. Der Bereich Verteidigung biete hier aufgrund der steigenden nationalen und europäischen Verteidigungsausgaben ein stabiles, wenn auch anspruchsvolles Umfeld.

WFG-Geschäftsführer Jochen Protzer sagt rückblickend: „Der Messebesuch auf der Enforce Tac hat gezeigt, dass sich im Verteidigungs- und Sicherheitsbereich konkrete Chancen für unsere regionalen Stärken in Präzisionstechnik, Elektronik und Maschinenbau ergeben. Gleichzeitig ist der Markteintritt anspruchsvoll und mit hohen Hürden verbunden“.

WFG-Kompass für den Markteintritt

Tatsächlich sei der Weg in den Defence-Sektor kein Selbstläufer, wie Marcel Rath sagt. Restriktive Vorgaben, komplexe Zertifizierungen wie die EN 9100 und langwierige Sicherheitsüberprüfungen (SÜG) stellen demnach die kleinen und mittleren Unternehmen der Region vor große Herausforderungen. Um diesen Prozess zu beschleunigen, habe TraFoNetz bereits frühzeitig reagiert und vier Markteintrittshandbücher für die Unternehmen der Region erstellt.

Besonders das Handbuch Zukunftsmarkt Verteidigung diene als strategischer Kompass, um die bürokratischen und regulatorischen Hürden systematisch zu meistern. Unternehmen finden diese Orientierungshilfe und weitere Informationen zu Diversifizierungsmöglichkeiten zum PDF-Download auf www.trafonetz.de/markteintritt

Das Fazit der Messedelegation aus dem Nordschwarzwald fällt durchweg positiv aus: Der direkte Draht zu Akteuren wie dem Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) und der Einblick in internationale Cluster hätten gezeigt, dass der Nordschwarzwald bereit sei, ein gewichtiges Wort im Sicherheitsmarkt der Zukunft mitzureden, erklärt WFG-Geschäftsführer Protzer.

Die nächste Enforce Tac findet vom 1. bis 3. März 2027 statt: www.enforcetac.com