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Von der Backstube zur KI: Wie Raisch das Handwerk von morgen gestaltet

Von der Backstube zur KI: Wie Raisch das Handwerk von morgen gestaltet

v.l. Wirtschaftsförderung Jochen Protzer, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH, Matthias Raisch, Geschäftsführer Bäckerei Raisch & Konditorei Raisch GmbH, Oberbürgermeister Jürgen Großmann, Stadt Nagold
Business Talk auf der Expo Real in München mit Matthias Raisch, Geschäftsführer Bäckerei & Konditorei Raisch GmbH & Co. KG, Calw und Jochen Protzer, Geschäftsführung der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald

Business-Talk auf der EXPO REAL: Der Calwer Unternehmer Matthias Raisch über künstliche Intelligenz, internationale Fachkräfte und unternehmerisches Wachstum – ein Beispiel für die Innovationskraft des Nordschwarzwalds.

Können künstliche Intelligenz und handwerkliche Backtradition zusammenpassen? Und was haben junge Menschen aus Vietnam oder Nordafrika mit der Zukunft des Bäckerhandwerks im Nordschwarzwald zu tun? Für Matthias Raisch, Geschäftsführer der Bäckerei & Konditorei Raisch aus Calw, sind das längst keine theoretischen Fragen mehr. Sein Familienunternehmen setzt auf moderne Technologien, internationale Fachkräftegewinnung und kontinuierliche Investitionen. Wie sich traditionelles Handwerk und innovatives Unternehmertum miteinander verbinden lassen, darüber sprach Raisch beim Business-Talk der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald auf der internationalen Immobilienmesse EXPO REAL in München mit WFG-Geschäftsführer Jochen Protzer.

Wenn künstliche Intelligenz weiß, wie viele Brezeln gebraucht werden Raisch gehört zu den Unternehmen der Region, die sich frühzeitig mit den praktischen Einsatzmöglichkeiten künstlicher Intelligenz beschäftigt haben. Gemeinsam mit der Hochschule Pforzheim und dem KI-Lab Nordschwarzwald untersuchte das Unternehmen im Projekt „AI meets Brezeln“, wie sich Verkaufszahlen mithilfe intelligenter Prognosemodelle genauer vorhersagen lassen.

Dafür wurden historische Verkaufszahlen unter anderem mit Informationen über Wetter und Feiertage verknüpft. Das Ergebnis: Die KI konnte den Absatz der untersuchten Brezeln besser prognostizieren als die bisherige manuelle Vorhersage. Das eröffnet Perspektiven für eine bedarfsgerechtere Produktion, effizientere Abläufe und weniger Lebensmittelverschwendung. Dass Digitalisierung und Handwerk keine Gegensätze sind, zeigt sich auch in der modernen Backstube in Calw-Oberriedt. Durch die Erweiterung wurden neue Möglichkeiten für digitale, technische und ergonomische Unterstützung geschaffen. Sie sollen die Beschäftigten entlasten und ihnen ermöglichen, sich stärker auf ihre eigentliche handwerkliche Arbeit zu konzentrieren.

Für WFG-Geschäftsführer Jochen Protzer ist Raisch ein besonders interessantes Beispiel dafür, wie Innovation im Mittelstand funktionieren kann. Wenn wir über künstliche Intelligenz sprechen, denken viele zunächst an große Industrieunternehmen oder internationale Technologiekonzerne. Matthias Raisch zeigt, dass KI und Robotic auch im klassischen Handwerk einen konkreten Nutzen stiften kann. Mich beeindruckt, wie offen er mit seinem Unternehmen neue Entwicklungen aufgreift, unsere Innovationsangebote nutzt und gemeinsam mit Partnern aus der Region an praktischen Lösungen arbeitet. Genau diese unternehmerische Neugier brauchen wir im Nordschwarzwald.“

Fachkräfte aus aller Welt – Perspektiven für die Region

Neben der technologischen Entwicklung beschäftigt Raisch eine weitere zentrale Zukunftsfrage: Wie gewinnt und hält man qualifizierte Mitarbeitende in einer Branche, die zunehmend unter Fachkräftemangel leidet?

Das Unternehmen geht dabei seit einigen Jahren bewusst internationale Wege. Gut die Hälfte seiner 42 Auszubildenden stammt inzwischen aus dem Ausland, unter anderem aus Vietnam und Nordafrika. Erste Nachwuchskräfte haben ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und arbeiten mittlerweile als Fachkräfte im Unternehmen.

Die internationale Nachwuchsgewinnung verlangt allerdings deutlich mehr als die Vermittlung eines Ausbildungsplatzes. Raisch unterstützt die jungen Menschen beim Spracherwerb, bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen und beim Ankommen im Alltag. Damit übernimmt der Familienbetrieb zusätzliche Verantwortung, die weit über die klassische Rolle eines Arbeitgebers hinausgeht. „Internationale Fachkräftegewinnung wird für viele unserer Unternehmen immer wichtiger. Entscheidend ist aber, dass Menschen nicht nur zum Arbeiten kommen, sondern hier auch eine langfristige Perspektive finden. Raisch zeigt, dass Integration gelingen kann, wenn ein Unternehmen Verantwortung übernimmt. Gleichzeitig brauchen wir Kommunen, Verwaltung und gesellschaftliche Partner, die diesen Weg aktiv unterstützen“, betont Protzer.

Unternehmergeist über Generationen

1991 gründeten Udo und Linda Raisch ihre Bäckerei mit fünf Mitarbeitenden. Inzwischen ist daraus ein regional bedeutendes Familienunternehmen mit mehreren hundert Beschäftigten und zahlreichen Fachgeschäften geworden. Mit Matthias, Maximilian und Lena Raisch gestaltet die nächste Generation die weitere Entwicklung aktiv mit – mit eigenen Verantwortungsbereichen und zugleich auf der Grundlage, was die Eltern aufgebaut haben.

Dabei reicht die Strahlkraft des Familienunternehmens längst über die Region hinaus. Besonders sichtbar wird dies bei Maximilian Raisch, der sein handwerkliches Können auch auf internationaler Bühne unter Beweise stellt. „Mein Bruder vertritt unsere Unternehmen bei internationalen Wettbewerben im Deutschen Nationalteam der Bäcker – darauf sind wir natürlich sehr stolz“, sagt Matthias Raisch im Gespräch. Für ihn zeigt sich darin zugleich, welchen Stellenwert exzellentes Handwerk auch in einem modernen innovationsorientierten Unternehmen behält.

Matthias Raisch selbst ist Bäckermeister und geprüfter Brot-Sommelier. Er verbindet seine Leidenschaft für das Handwerk mit modernen Managementansätzen und einer ausgeprägten Offenheit für neue Technologien und Geschäftsmodellen.

Dazu gehören auch kontinuierliche Investitionen in moderne Produktionsbedingungen sowie die weitere Entwicklung der Verkaufsstandorte. Längst sind Bäckereien nicht mehr nur Verkaufsstellen für Brot und Brötchen. Cafés und gastronomische Angebote werden zu wichtigen Treffpunkten und tragen zur Lebensqualität und Attraktivität von Städten und Gemeinden bei.

Gerade auf der Immobilienmesse EXPO REAL spielte deshalb auch die Frage eine Rolle, welche Standortbedingungen ein wachsendes regionales Unternehmen benötigt. Erreichbarkeit, Kundenfrequenz, attraktive Ortszentren und geeignete Immobilien gehören ebenso dazu wie bezahlbarer Wohnraum und gute Mobilitätsangebote für die Beschäftigten.

Ein Unternehmer, der die Chancen seiner Region nutzt

Für die Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald verdeutlicht das Beispiel Raisch, wie eng Digitalisierung, Fachkräftesicherung und Standortentwicklung miteinander verbunden sind.

Das Unternehmen beteiligt sich mit großem Interesse an Veranstaltungen und Innovationsangeboten der WFG und sucht aktiv den Austausch mit regionalen Partnern. Die Zusammenarbeit im Rahmen des KI-Lab Nordschwarzwald zeigt beispielhaft, wie aus der Vernetzung von Unternehmen und Wissenschaft konkrete Innovationsprojekte entstehen können. „Wirtschaftsförderung ist dann besonders wirksam, wenn Unternehmen die angebotenen Impulse aufgreifen und daraus eigene Projekte entwickeln. Matthias Raisch ist jemand, der nicht lange darüber diskutiert, ob Digitalisierung und KI auch im Handwerk funktionieren können, sondern der bereit ist, sie auszuprobieren. Gleichzeitig investiert er in seine Mitarbeitenden und in die Zukunft seines Familienunternehmens. Diese Verbindung aus Innovationsbereitschaft, unternehmerischer Verantwortung und regionaler Verbundenheit ist eine echte Stärke unseres Wirtschaftsstandorts“, so Protzer.

Mit dem Business-Talk setzte die Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald zum Abschluss ihrer Gesprächsreihe auf der EXPO REAL bewusst einen Akzent auf das innovative Handwerk. Neben international tätigen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen prägen gerade solche Familienbetriebe die wirtschaftliche Vielfalt, die Lebensqualität und die Zukunftsfähigkeit der Region.

Pressemitteilung zum Download hier: PM_31_Expo Real_Business Talk_Raisch