Editorial des Geschäftsführers Jochen Protzer – Mai 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
„Grünes Licht aus Berlin“ – manchmal braucht es genau eine solche Nachricht, um in anspruchsvollen Zeiten neuen Rückenwind zu spüren. Die positive Bewertung unserer Antragsskizze für das Transformationsnetzwerk Nordschwarzwald 2.0 ist mehr als ein formaler Zwischenschritt. Sie ist ein starkes Signal an unsere Unternehmen, an die Beschäftigten und an die gesamte Region: Der Weg, den wir gemeinsam eingeschlagen haben, wird gesehen, anerkannt und soll auch in den Jahren 2027 – 2029 weitergehen.
Natürlich ist die finale Bewilligung damit noch nicht ausgesprochen. Aber die Einladung zum Vollantrag zeigt: Unser regionales Transformationskonzept überzeugt. Der Nordschwarzwald wird nicht als Region wahrgenommen, die Strukturwandel nur beschreibt oder erduldet, sondern als Region, die ihn aktiv gestaltet – mit Unternehmen, Kammern, Hochschulen, Kommunen, Sozialpartnern, der Arbeitsagentur und vielen engagierten Menschen.
Wie konkret Transformation bei uns aussieht, hat sich in diesen Tagen auch an anderer Stelle eindrucksvoll gezeigt: bei der Eröffnung der HyProMag-Anlage in Pforzheim. Was dort entstanden ist, ist weit mehr als eine neue Recycling- und Produktionsanlage. Es ist ein Leuchtturmprojekt für Kreislaufwirtschaft, Rohstoffsouveränität und industrielle Zukunftsfähigkeit. Hier wird nicht nur über resiliente Lieferketten gesprochen – hier wird an ihnen gebaut. Hier wird nicht nur über Transformation gesprochen – hier bekommt Transformation eine Adresse.
Gerade solche Projekte machen Mut. Sie zeigen, dass aus Forschung, Förderung, Unternehmergeist und regionaler Vernetzung industrielle Zukunft entstehen kann. Und sie zeigen auch, was unsere Region besonders stark macht: Wir bringen Menschen zusammen, übersetzen Ideen in Projekte und Projekte in Wirkung.
Umso wichtiger ist jetzt, dass auch die politischen Rahmenbedingungen Schritt halten. Der neue Koalitionsvertrag in Baden-Württemberg enthält aus Sicht unserer Wirtschaftsregion viele richtige Signale: mehr Wettbewerbsfähigkeit, mehr Innovation, mehr Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungen, eine stärkere Begleitung der Transformation und eine High-Tech-Strategie für Zukunftsfelder wie KI, Robotik, Automatisierung und Green Tech. Das ist richtig und notwendig.
Aber entscheidend wird die Umsetzung sein. Unser dringender Wunsch bleibt klar: Die Wirtschaft muss wieder konsequent in den Mittelpunkt gestellt werden. Nicht als abstrakte Größe, sondern ganz konkret: unsere mittelständischen Unternehmen, das Handwerk, die Industrie, die Zulieferer, die Start-ups, die Familienbetriebe und die Beschäftigten, die jeden Tag Wertschöpfung möglich machen. Wer Transformation will, muss Unternehmen befähigen, investieren zu können. Wer Innovation will, muss Freiräume schaffen. Und wer Beschäftigung sichern will, muss Qualifizierung, Diversifizierung und neue Märkte praktisch unterstützen.
Auch diese Newsletter-Ausgabe zeigt, wie breit dieser Auftrag ist: Es geht um Zukunftsmärkte wie Medizintechnik und Luft- und Raumfahrt, um Future Skills, KI im Einkauf, Krisenvorsorge, neue Formen der Berufsorientierung und um starke Netzwerke direkt für Unternehmen und um Präsenz vor Ort. Genau darin liegt die Aufgabe der WFG: Orientierung geben, Brücken bauen und konkrete Angebote machen.
Und manchmal reicht der Blick dafür sogar bis nach Japan. Prof. Dr. Bernhard Kölmel hat von seiner Reise zur NexTech Week und zur Woven City spannende Impulse mitgebracht. Zugegeben: Eine vernetzte Zukunftsstadt am Fuße des Fuji klingt auf den ersten Blick etwas weiter weg als ein Gewerbegebiet im Nordschwarzwald. Aber der Kern passt sehr gut zu uns: Innovation entsteht dort, wo unterschiedliche Kompetenzen zusammenkommen. In Japan nennt man das „Kakezan“ – Multiplikation. Für uns heißt das: Präzision trifft Zukunftsmärkte, Automotive-Kompetenz trifft Robotik, Handwerk trifft Digitalisierung, Wissenschaft trifft Mittelstand.
Das ist der Nordschwarzwald, wie wir ihn verstehen: regional verwurzelt, international anschlussfähig und bereit, Zukunft nicht nur zu diskutieren, sondern zu machen.
Lassen Sie uns das grüne Licht aus Berlin deshalb als Ermutigung verstehen – und zugleich als Auftrag. Die nächsten Schritte werden anspruchsvoll und arbeitsintensiv. Aber wir gehen sie mit Zuversicht, mit starken Partnern und mit dem klaren Ziel, die wirtschaftliche Stärke unserer Region zu sichern und weiterzuentwickeln.
Mit besten Grüßen
Jochen Protzer
Geschäftsführer