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Grünes Licht aus Berlin: Transformationsarbeit im Nordschwarzwald gesichert

Grünes Licht aus Berlin: Transformationsarbeit im Nordschwarzwald gesichert

Von links: Katharina Bilaine (TraFoNetz-Projektleiterin), Parlamentarische Staatssekretärin Katja Mast (SPD) und WFG-Geschäftsführer Jochen Protzer im Bundesarbeitsministerium in Berlin. (c)Foto: Gerd Lache
Jochen Protzer vor dem Reichstagsgebäude. Übergabe der Verlängerungsurkunde für TraFoNetz. (c)Foto: Gerd Lache
Jochen Protzer (links), Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald, im Gespräch mit MdB/CDU Klaus Mack, Wahlkreis Calw, in dessen Büro im Paul-Löbe-Haus in Berlin. (c)Foto: Gerd Lache

TraFoNetz bekommt Verlängerung bis 2026 mit 1,1 Millionen Euro an Bundesmitteln – Parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium übergibt Bescheid persönlich

Ein offizielles Dokument wechselt die Hände und bestimmt die wirtschaftliche Zukunft einer ganzen Region. Im Berliner Parlamentsgebäude Paul-Löbe-Haus wurde jetzt der Verlängerungsbescheid für das Transformationsnetzwerk (TraFoNetz) Nordschwarzwald persönlich übergeben. Mit rund 1,1 Millionen Euro frischen Fördermitteln ist die TraFoNetz-Arbeit damit bis Ende 2026 gesichert.

Es ist ein Moment mit Symbolkraft inmitten des geschäftigen Berliner Regierungsviertels: Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Gitta Connemann (CDU), überreichte den Verlängerungsbescheid für das Transformationsnetzwerk (TraFoNetz) Nordschwarzwald an Jochen Protzer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald (WFG). Flankiert wurde diese offizielle Übergabe von den regionalen Bundestagsabgeordneten Katja Mast (SPD/Parlamentarische Staatssekretärin) und Klaus Mack (CDU). Mit ihrer Präsenz unterstrichen sie, dass die Zukunftsfähigkeit der heimischen Wirtschaft über Parteigrenzen hinweg oberste Priorität genießt.

Die Entscheidung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) macht klar: Das TraFoNetz geht in die Verlängerung. Ursprünglich auf Ende 2025 befristet, stehen dem Netzwerk nun bis zum 31. Dezember 2026 weiterhin Bundesmittel zur Verfügung, um Unternehmen und Beschäftigte in der Region durch den Strukturwandel zu begleiten.

Rettungsanker für die Region
„Die Verlängerung ist ein klares Signal des Bundes, dass der Nordschwarzwald eine Schlüsselregion für die industrielle Zukunft ist“, betonte Helmut Riegger, Landrat des Landkreises Calw und Aufsichtsratsvorsitzender der WFG. Laut Jochen Protzer seien mehr als 1.300 Unternehmen und rund 30.000 Beschäftigte von der Transformation betroffen. Die Verlängerung biete den notwendigen Atem, um den begonnenen „Marathon der Veränderung“ erfolgreich fortzusetzen. Mit der gesicherten Finanzierung bis Ende 2026 habe die Region die Planungssicherheit, tiefgreifende Veränderungsprozesse in den Betrieben nachhaltig zu verankern.

Dass dieser Vertrauensbeweis aus Berlin verdient ist, machte Protzer anhand einer Bilanz der vergangenen drei Jahre deutlich. TraFoNetz sei ein Macher-Netzwerk. Über 160 Fach-Veranstaltungen mit mehr als 7.500 Teilnehmenden wurden gestemmt. Eine der Stärken liege im direkten Kontakt: Das elfköpfige Team besuchte über 330 Betriebe persönlich und unterstützte bei Bedarf mit Strategien zum Strukturwandel.

Mit wegweisenden Ergebnissen wie der „Future Skills Studie“ zur Fachkräftesicherung und praxisnahen Markteintritts-Handbüchern für Zukunftsfelder wie Medizintechnik, GreenTech sowie Luft- und Raumfahrt habe das Netzwerk handfeste Werkzeuge geliefert, damit die regionale Wirtschaft nicht nur überlebt, sondern neue Märkte erobern könne. „Diese konkreten Hilfestellungen sollen die Abhängigkeit vom klassischen Verbrennungsmotor verringern und den Unternehmen den Einstieg in zukunftsträchtige Geschäftsfelder ermöglichen“, machte Professor Dr. Bernhard Kölmel von der Hochschule Pforzheim deutlich.

Vordenker aus Pforzheim
Kölmel hat laut Protzer wesentlichen Anteil an der Erfolgsstory des Mache-Netzwerks. Als Vorsitzender des Transformationsbeirats gilt er als wissenschaftliche Speerspitze und als unermüdliche Mahner zu den Folgen der Transformation. So habe er schon früh vor einem „perfekten Sturm“ aus Technologieumbrüchen und globalem Wettbewerb gewarnt und er bringe enorme Energie ein, um die Unternehmen aus der „Schockstarre“ zu lösen. Für ihn gehe es darum, das TraFoNetz als Innovationsinkubator für die Region zu festigen.

Parteiübergreifende Unterstützung
Die politische Unterstützung aus der Heimat sieht der WFG-Geschäftsführer als ungebrochen. Katja Mast (Wahlkreis Pforzheim), die als frühe Impulsgeberin für das Netzwerk gilt, betonte in Berlin die soziale Dimension des Wandels: „Es geht darum, letztendlich eine Zukunftsperspektive für alle Akteure im Nordschwarzwald zu haben“, sagte sie bei der Übergabe des Verlängerungsbescheids. Besonders die Weiterbildung der Beschäftigten liege ihr am Herzen, um „wirtschaftliche Stabilität in einer Region zu garantieren, die massiv vom Strukturwandel betroffen ist“.

Klaus Mack (Wahlkreis Calw) ergänzte: „Wenn die Wirtschaft funktioniert, dann geht es den Menschen gut. Das Transformationsnetzwerk ist die logische Fortführung unserer Bemühungen, Arbeitsplätze in der Region nicht nur zu halten, sondern zukunftsfest auszubauen.“ Er sieht das

Netzwerk als entscheidendes Bindeglied, um die Innovationskraft des Mittelstands in der Sandwich-Position zwischen Karlsruhe und Stuttgart zu bündeln.

Rückenwind aus Berlin
Auch die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, MdB Gitta Connemann, hatte in einem Medien-Statement die Bedeutung solcher Unterstützung unterstrichen: „Wir haben inzwischen nicht mehr nur eine Schwäche einzelner Branchen, sondern eine Schwäche des Standorts und damit auch eine Wohlstandsgefahr.“ Sie forderte nachdrücklich: „Vorfahrt, Vorfahrt, Vorfahrt für Mittelstand und Wirtschaft.“ Als Vertreterin des Mittelstandes betonte sie, wie wichtig es sei, dass auch die Zulieferer eine Stimme bekämen.

Der Marathon geht weiter
Trotz der Freude über den Bescheid bleibt die Lage ernst. Die Aufgaben für die kommenden Monate seien gewaltig, erklärte WFG-Geschäftsführer Protzer. Themen wie die Integration von Künstlicher Intelligenz, Digitalisierung allgemein, die Bewältigung der Plattformökonomie und Unterstützung bei  der Erschließung neuer Geschäftsfelder stünden ganz oben auf der Agenda. Außerdem ziele eine Qualifizierungsoffensive auf die Weiterbildung von Beschäftigten ab.

Das Projekt bündele die Kompetenzen der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald, der Hochschule Pforzheim, der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim sowie der AgenturQ (IG Metall und Südwestmetall) und weiterer Partner wie beispielsweise der IHK Nordschwarzwald und der Handwerkskammer Karlsruhe.

Mit dem Rückenwind aus Berlin und der geballten Kompetenz aus Wissenschaft und Wirtschaft vor Ort ist der Nordschwarzwald laut Jochen Protzer bereit, den „perfekten Sturm“ der Transformation als Chance für einen kraftvollen Neustart zu nutzen.

AUTOR: Gerd Lache

Transformationsnetzwerk Nordschwarzwald
TraFoNetz unter dem Dach der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH (WFG) ist ein Netzwerk für Transformation und Innovation, das Unternehmen, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen bringt. Ziel ist es, die Region Nordschwarzwald zu einem führenden Standort für innovative Unternehmen und zukunftsfähige Technologien zu machen. Partner des Transformationsnetzwerks Nordschwarzwald sind unter anderem die Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim, die Hochschule Pforzheim, die AgenturQ mit Südwestmetall und IG Metall, die IHK Nordschwarzwald, die Handwerkskammern Karlsruhe und Reutlingen, e-mobil BW, IAB Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Senioren der Wirtschaft sowie Steinbeis InnoBW, wvib Wirtschaftsverband und weitere.

www.trafonetz.de