Der Transformationsbeirat Nordschwarzwald kam kürzlich auf dem Gesundheitscampus Calw zu seiner ersten Sitzung im Jahr 2026 zusammen. Im Mittelpunkt standen der aktuelle Projektstand von TraFoNetz, die wirtschaftliche Situation der Region, die Perspektive auf das beantragte Folgeprojekt TraFoNetz 2.0 sowie neue Erkenntnisse zu regionalen Wertschöpfungsketten und Zukunftsmärkten.
Als Gastgeber begrüßte Landrat Helmut Riegger die Mitglieder des Transformationsbeirats im neuen Gesundheitszentrum in Calw und stellte den Standort kurz vor. Dabei verwies er auch auf die wirtschaftliche Bedeutung der Gesundheitswirtschaft für den Landkreis und die Region – ein Thema, das angesichts von Beschäftigung, Versorgung, Innovation und Standortentwicklung zunehmend an strategischer Relevanz gewinnt.
Bereits in der Begrüßung wurde deutlich: Das Transformationsnetzwerk hat sich als wichtiger regionaler Impulsgeber etabliert. Rund 350 Unternehmensbesuche, mehr als 170 Veranstaltungen und über 11.000 erreichte Teilnehmende zeigen, wie breit TraFoNetz inzwischen in der Region wirkt. Gleichzeitig bleibt die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen angespannt – umso wichtiger ist es, die Transformation der Fahrzeug- und Zulieferindustrie sowie des produzierenden Mittelstands weiterhin strukturiert, praxisnah und gemeinsam mit den regionalen Partnern zu begleiten.
WFG-Geschäftsführer Jochen Protzer ordnete die aktuelle Projektphase strategisch ein und informierte über die positive Rückmeldung aus Berlin zur ersten Skizzeneinreichung für TraFoNetz 2.0. Damit wurde deutlich: Die bisherige Arbeit wird überregional wahrgenommen, zugleich steht die Region vor der Aufgabe, zeitnah den Vollantrag zu stellen und in den nächsten 3 Jahren die erreichten Strukturen und Angebote in eine nächste, noch stärker umsetzungsorientierte Phase zu überführen.
Projektleiterin Katharina Bilaine stellte den aktuellen Projektstand sowie die Inhalte der beantragten Skizze für TraFoNetz 2.0 vor. Sie zeigte auf, welche Aktivitäten seit der letzten Sitzung umgesetzt wurden, welche Schwerpunkte 2026 gesetzt werden und wie sich die Projektarbeit entlang der Bedarfe der Unternehmen weiterentwickelt. Der angestrebte nächste Projektschritt soll den Übergang von Information und Orientierung hin zu noch mehr konkreter Umsetzung in den Unternehmen stärken – unter anderem durch praxisorientierte Formate, Reallabore, Demonstratoren, ein Transformationsradar sowie ein verbessertes Matching am Arbeitsmarkt.
Auch die Gremienarbeit wurde für das Jahr 2026 bestätigt: Prof. Dr. Bernhard Kölmel wurde erneut zum Vorsitzenden des Transformationsbeirats gewählt. In seinem Beitrag zur Situation im Nordschwarzwald machte er deutlich, dass die Region nicht nur vor einer Transformation, sondern in Teilen vor einer tiefgreifenden Disruption steht. Hohe Abhängigkeiten von wenigen Kunden, schwache Konjunktur, geopolitische Risiken und strukturelle Veränderungen erhöhen den Handlungsdruck – insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die bisher im Automotive- und Zuliefererumfeld tätig sind.
Einen weiteren fachlichen Impuls lieferte Michael Siegl von MODULDREI mit der Vorstellung erster Ergebnisse der aktuellen Wirtschaftsstrukturanalyse Nordschwarzwald. Die Analyse zeigt, welche Branchen und Wertschöpfungsketten die Region prägen, wo Beschäftigung wächst und wo strukturelle Verschiebungen sichtbar werden. Besonders wertvoll war dabei der datenbasierte Blick auf regionale Stärken, Konzentrationen und Veränderungen – als Grundlage für eine gezielte Weiterentwicklung der Wirtschaftsförderung und der Transformationsarbeit.
Mit dem Beitrag von Matthias Dietel, Mitglied des Transformationsbeirats rückte der Zukunftsmarkt Robotik in den Fokus. Seine zentrale Botschaft: Humanoide Robotik entwickelt sich vom Forschungsthema zu einem industriellen Zukunftsmarkt – und kann für Automotive-nahe Zulieferer ein relevantes Diversifizierungsfeld werden. Für den Nordschwarzwald ist das Thema besonders anschlussfähig, weil viele regionale Unternehmen bereits über Kompetenzen in Präzision, Mechatronik, Fertigung, Komponentenentwicklung und Industrialisierung verfügen.
Die Diskussion im Beirat zeigte deutlich: Die bisherigen Ergebnisse von TraFoNetz werden anerkannt, zugleich braucht es weiter Tempo, Marktdurchdringung und konsequente Umsetzung. Genau darin liegt die Stärke des Transformationsbeirats: Er verbindet fachliche Expertise, regionale Erfahrung und unterschiedliche Perspektiven aus Wirtschaft, Wissenschaft, Arbeitsmarkt, Kammern, Kommunen und Verbänden.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen Mitgliedern des Transformationsbeirats für die konstruktive Begleitung, die klaren Rückmeldungen und die Bereitschaft, Verantwortung für die wirtschaftliche Zukunft der Region Nordschwarzwald zu übernehmen. Dieses Gremium ist für TraFoNetz mehr als ein formaler Beirat – es ist Resonanzraum, Impulsgeber und strategischer Partner für die Transformation unserer Region.