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Warum Digitalisierung ins Produktmanagement gehört

Warum Digitalisierung ins Produktmanagement gehört

Transformationslounge mit Marcel Nagel. (c)Foto: Gerd Lache
Netzwrken bei der Transformationslounge in Engelsbrand mit Referent Marcel Nagel (dritter von links). (c)Foto: Gerd Lache

TraFoNetz Transformationslounge mit Workshop-Charakter

Weckruf für die regionale Wirtschaft: Ob Preisdruck, Austauschbarkeit oder veraltete Geschäftsmodelle – Marcel Nagel erklärt im TraFoNetz-Interview, warum Digitalisierung ins Herz des Produktmanagements gehört und wie der Mittelstand im Nordschwarzwald durch eine radikale Perspektivwende zukunftssicher wird.
Hier gehts zum Beitrag als Video: https://youtu.be/QjJ6taYKQkg
In der jüngsten „Transformationslounge“des TraFoNetz Nordschwarzwald räumte Referent Marcel Nagel mit einem Irrtum auf. Digitalisierung sei kein reines IT-Thema, das man einfach im Serverraum abladen kann – sie ist seiner Ansicht nach das neue, unverzichtbare „Betriebssystem“ für den Markterfolg der Unternehmen.

Im Kern geht es Nagel zufolge um eine strategische Kehrtwende: Nur wenn der heimische Mittelstand den Sprung von der reinen Hardware-Produktion hin zu smarten, datengesteuerten Services schaffe, entstünden langfristig hochqualifizierte Arbeitsplätze und die wirtschaftliche Strahlkraft des Nordschwarzwalds bleibe erhalten.

„Marcel Nagel hat uns den Spiegel vorgehalten“, sagt Jochen Protzer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH (WFG). „Wer nur seine internen Abläufe digitalisiert, aber das Produkt analog lässt, steuert sehenden Auges in die Austauschbarkeit – zum Nachteil der Wettbewerbsfähigkeit und letztlich der Arbeitsplätze in der Region.“

Im Nachgang der „Transformationslounge“ in Engelsbrand hat TraFoNetz bei dem Impulsredner Marcel Nagel nachgehakt. Nachfolgend das Interview mit dem erfahrenen Trainer und Berater.

Marcel Nagel: Digitalisierung gehört ins Produktmanagement, weil dort Markt, Kunde und Geschäftsmodell zusammenlaufen. Entscheidend ist, digitale Fähigkeiten gezielt zur Differenzierung von Produkten und Leistungen einzusetzen. Unternehmen müssen weg von rein interner Prozessoptimierung hin zu datenbasierten, marktorientierten Entscheidungen und skalierbaren, oft digitalen, Geschäftsmodellen.

Diese Aussage ist nicht persönlich gemeint und lässt sich nicht pauschal auf jede Organisation übertragen. Grundsätzlich erfüllt die IT jedoch eine interne Dienstleistungsfunktion – vergleichbar mit einer Entwicklungsabteilung. Ihre Leistungen müssen sich am Markt, am Kunden und am Geschäftsmodell orientieren. Die Verantwortung dafür liegt im Produktmanagement. Dort werden Produkte und Leistungen gesteuert, priorisiert und weiterentwickelt. Entsprechend sollte auch die digitale Ausrichtung hier verankert sein. Das Produktmanagement verbindet Marktverständnis mit Produktverantwortung und ist damit der richtige Ort, um Digitalisierung gezielt einzusetzen.
IT und Entwicklung bleiben dabei zentrale Partner – jedoch mit klaren Rollen und Kompetenzen.

Unternehmen, die ihre Produkte und Leistungen unverändert lassen, erhöhen ihre Austauschbarkeit im Markt. Differenzierung entsteht zunehmend über digitale Mehrwerte. Wer Digitalisierung ausschließlich intern nutzt, verbessert zwar Effizienz, verpasst aber die Chance, sich gegenüber dem Kunden klar abzuheben. Langfristig führt das zu Preisdruck und sinkender Wettbewerbsfähigkeit. Entscheidend ist daher die Kombination aus interner Effizienzsteigerung und externer Differenzierung durch digitale Produkte und Services.

Digitalisierung ist ein Werkzeug. Wer mit veralteten Werkzeugen arbeitet, ist in der Regel weder effizient noch wettbewerbsfähig. Hinzu kommt ein erhöhtes Risiko – insbesondere im Bereich IT-Sicherheit, wo veraltete Systeme erhebliche Schäden verursachen können.
Unternehmen, die nicht modernisieren, verlieren Geschwindigkeit, Anpassungsfähigkeit und letztlich Marktanteile.

Bauchgefühl wird auch künftig eine Rolle spielen. Erfolgreicher sind jedoch Unternehmen, die Entscheidungen systematisch auf Daten stützen. Eine datenbasierte Roadmap verschiebt die Entscheidungsgrundlage von Meinung hin zu nachvollziehbaren Fakten. Das erhöht die Qualität und Geschwindigkeit von Entscheidungen. Dabei ist die Führungskultur entscheidend. Unternehmen müssen gezielt Wissen über Märkte, Produkte und Nutzung aufbauen. Der Wettbewerbsvorteil entsteht daraus, dieses Wissen zu teilen, digital zu nutzen und zu skalieren.

Der wirtschaftliche Nutzen liegt zum Beispiel in messbaren Effekten: reduzierte Stillstandszeiten, geringere Wartungskosten und eine längere Lebensdauer von Anlagen. Durch vorausschauende Wartung können Ausfälle vermieden werden. Remote-Monitoring reduziert Serviceeinsätze vor Ort. Gleichzeitig steigt die Transparenz über den Betrieb. Am Ende zahlt der Kunde für höhere Verfügbarkeit, planbare Kosten und geringere Risiken.

Auf der Anbieterseite ist die Bereitschaft zunehmend vorhanden und es existieren bereits zahlreiche funktionierende Modelle. Auf der Kundenseite – insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau – dominiert jedoch häufig noch die Präferenz für Besitz statt Nutzung. Diese Entwicklung wird Zeit benötigen. Dennoch ist davon auszugehen, dass sich nutzungsbasierte Modelle langfristig durchsetzen werden.

Eindeutig das digitale Mindset. Technologie lässt sich implementieren. Die größere Herausforderung ist die Veränderungsbereitschaft in den Köpfen – auf allen Ebenen, einschließlich Führung und Geschäftsleitung. Ohne diese Bereitschaft bleiben selbst die besten Systeme wirkungslos.

Entscheidend ist, überhaupt zu starten. Stillstand bedeutet Rückschritt. Der richtige Ansatz ist: klein beginnen, schnell testen, schnell lernen und gezielt nachsteuern. Dabei muss nicht jeder Fehler selbst gemacht werden. Externe Expertise kann helfen, typische Risiken zu vermeiden und die Umsetzung zu beschleunigen.

Ein digital unterstütztes Produktmanagement schafft Transparenz über Markt, Nutzung und Leistung. Dadurch können Veränderungen früh erkannt und schneller bewertet werden. In Kombination mit datenbasierten Entscheidungen und flexiblen Strukturen erhöht sich die Reaktionsgeschwindigkeit erheblich. Das Ergebnis ist eine höhere Resilienz: Unternehmen können schneller anpassen, priorisieren und damit stabiler und widerstandsfähiger bleiben.

Beschäftigen Sie sich mit Ihren Engpässen – nicht mit konkreter Software. Analysieren Sie, wo heute Zeit und Geld verloren gehen und welche Voraussetzungen nötig sind, um diese Engpässe zu beseitigen. Fragen Sie sich, was sich ändern oder erreicht werden müsste, damit Sie ihre Ziele erreichen. Darauf aufbauend lassen sich gezielt digital unterstützte Lösungen ableiten, die echten Mehrwert schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit, sowie Widerstandsfähigkeit des Unternehmens erhöhen.

Quelle/Autor: Gerd Lache