Die Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH begeht ihr 30-jähriges Bestehen. Aus einer Gesellschaft für Regionalmarketing und Standortwerbung ist in drei Jahrzehnten eine leistungsfähige regionale Wirtschaftsförderung entstanden, die Unternehmen unterstützt, Akteure vernetzt, Fördermittel erschließt und gemeinsam mit ihren Partnern Zukunftsprojekte entwickelt. Angesichts von Transformation, Digitalisierung, Fachkräftebedarf und zunehmendem internationalem Wettbewerbsdruck gewinnt dieser gemeinsame regionale Auftrag weiter an Bedeutung.
Vor genau 30 Jahren wurde die Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH gegründet. Ausgangspunkt war die Überzeugung, dass die vier Teilräume der Region ihre wirtschaftlichen Interessen gemeinsam wirkungsvoller vertreten und den Nordschwarzwald über kommunale Grenzen hinweg als zusammenhängenden Wirtschaftsstandort positionieren können.
Diese Gründungsidee trägt bis heute. Inzwischen wird die WFG von 22 Gesellschaftern getragen. Dazu gehören die drei Landkreise Calw, Enzkreis und Freudenstadt, die Stadt Pforzheim, weitere Städte und Gemeinden, Kammern, der Regionalverband Nordschwarzwald, die Hochschule Pforzheim sowie regionale Finanz- und Wirtschaftsinstitutionen. Sie stehen gemeinsam für eine regionale Solidargemeinschaft, die ihre Kompetenzen bündelt und Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung des gesamten Nordschwarzwalds übernimmt.
Von der Standortvermarktung zur aktiven Gestaltung
In den ersten Jahren lagen die Schwerpunkte der WFG vor allem auf Regionalmarketing, Standortkommunikation, Messeauftritten und der überregionalen Präsentation des Nordschwarzwalds. Mit den Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wandelten sich auch die Aufgaben der Gesellschaft. Globalisierung, Finanz- und Wirtschaftskrisen, Digitalisierung, Fachkräftemangel, die Corona-Pandemie, geopolitische Unsicherheiten und der tiefgreifende Strukturwandel insbesondere in der Automobil- und Zulieferindustrie stellen Unternehmen heute vor Herausforderungen, die häufig nicht mehr allein auf betrieblicher Ebene bewältigt werden können. Gefragt sind Zugänge zu Wissen, Technologien, qualifizierten Fachkräften, Förderprogrammen, neuen Geschäftsfeldern und geeigneten Kooperationspartnern.
Die WFG hat ihre Arbeit deshalb schrittweise erweitert. Heute berät und begleitet sie Unternehmen, vernetzt Wirtschaft, Wissenschaft, Kommunen und Politik, initiiert und steuert Förderprojekte und entwickelt gemeinsam mit Partnern konkrete Unterstützungsangebote für kleine und mittlere Unternehmen.
Zu den prägenden Vorhaben zählen unter anderem das Zentrum für Präzisionstechnik, der Digital Hub Nordschwarzwald, das KI-Lab Nordschwarzwald, die Fachkräfteallianz, regionale Weiterbildungsverbünde, die Girls’ Digital Camps, das Projekt RegioInno, CSS Boost sowie zahlreiche Aktivitäten zur Gründungsförderung, Internationalisierung und Standortentwicklung.
Große Projekte mit messbarer Wirkung
Einen besonderen Entwicklungsschritt markiert das Ende 2022 gestartete Transformationsnetzwerk TraFoNetz Nordschwarzwald. Unter Konsortialführung der WFG begleitet das Netzwerk gemeinsam mit starken Partnern Unternehmen und Beschäftigte der regionalen Automobil- und Zulieferindustrie bei der Anpassung an neue Technologien, Märkte, Kompetenzen und Geschäftsmodelle.
Rund 350 Unternehmensbesuche, mehr als 170 Veranstaltungen und über 11.000 erreichte Teilnehmende zeigen, dass die Angebote in der regionalen Wirtschaft auf einen konkreten Bedarf treffen. Mit TraFoNetz 2.0 soll diese Arbeit in den Jahren 2027 bis 2029 weiterentwickelt und stärker auf die Umsetzung in den Unternehmen, die Erschließung neuer Märkte und die dauerhafte Verankerung wirksamer Unterstützungsstrukturen ausgerichtet werden. Dafür hat die WFG einen Vollantrag mit einem Fördervolumen von knapp 5,4 Millionen Euro eingereicht.
Die Beispiele stehen für eine grundlegende Entwicklung: Aus einzelnen Aktivitäten wurden zunehmend größere regionale Verbundprojekte. Die WFG bringt dafür fachliche, institutionelle und finanzielle Ressourcen zusammen, die einzelnen Unternehmen oder Kommunen in dieser Form nicht zur Verfügung stehen würden.
Gemeinsamer Auftrag der Gesellschafter
„Die WFG ist Ausdruck des gemeinsamen Willens ihrer Gesellschafter, die wirtschaftliche Entwicklung des Nordschwarzwalds nicht nur aus der Perspektive einzelner Kommunen oder Institutionen zu betrachten“, erklärt Landrat Andreas Junt, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung. „Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten brauchen wir eine regionale Einheit, die Interessen bündelt, gemeinsame Themen vorantreibt und aus Ideen umsetzbare Projekte macht. Diese Aufgabe wird in Zukunft noch wichtiger.“
Die Gesellschafter sichern dabei nicht nur die institutionelle Grundlage der Gesellschaft. Sie bringen ihre jeweiligen Perspektiven, Netzwerke und Kompetenzen ein und geben gemeinsam die strategische Richtung vor. Die WFG setzt diesen Auftrag als operativ tätige Gesellschaft für die Region um.
Die WFG als Agentur der Region
Drei Jahrzehnte nach ihrer Gründung versteht sich die WFG als „Agentur der Region Nordschwarzwald“. Damit ist keine zusätzliche Verwaltungsebene gemeint. Die WFG soll vielmehr eine bewegliche, schlagkräftige und umsetzungsorientierte Einheit sein, die für ihre Gesellschafter, Unternehmen und Partner arbeitet.
„Unsere Aufgabe besteht nicht darin, uns selbst in den Mittelpunkt zu stellen“, sagt WFG-Geschäftsführer Jochen Protzer. „Entscheidend ist, was für die Unternehmen und für die Region entsteht. Wir müssen zuhören, Bedarfe frühzeitig erkennen, die richtigen Partner zusammenbringen und dort Verantwortung übernehmen, wo gemeinsames regionales Handeln einen konkreten Mehrwert schafft.“
Die WFG ist damit Dienstleister und Plattform, Impulsgeber und Projektentwickler. Sie unterstützt Unternehmen unmittelbar, schafft Zugänge zu Spezialwissen und Fördermöglichkeiten und greift Themen auf, die für die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Wirtschaftsraums relevant sind.
Wettbewerbsfähigkeit als Zukunftsauftrag
Der Nordschwarzwald verfügt über einen leistungsfähigen Mittelstand, zahlreiche Weltmarktführer und Hidden Champions, spezialisierte Zulieferunternehmen sowie starke Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Gleichzeitig stehen zentrale Branchen unter erheblichem Anpassungsdruck.
Neue Technologien und Geschäftsmodelle, Künstliche Intelligenz, nachhaltige Produktionsverfahren, Fachkräfteengpässe und Veränderungen auf internationalen Märkten verlangen neue Antworten.
Die WFG wird deshalb ihre unmittelbare Unternehmensarbeit weiter ausbauen und gemeinsam mit ihren Partnern Zukunftsfelder erschließen. Dazu gehören unter anderem die Diversifizierung Kompetenzen in Bereiche wie Medizintechnik und Raumfahrt, die digitale und nachhaltige Transformation, Fachkräfteentwicklung, Gründungsförderung und die stärkere Vernetzung mit den benachbarten Wirtschaftsräumen Karlsruhe und Stuttgart.
„30 Jahre WFG zeigen, was entstehen kann, wenn die Region ihre Kräfte bündelt“, betont der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Landrat Helmut Riegger. „Die WFG hat sich zu einem anerkannten und leistungsfähigen Partner für Unternehmen, Kommunen und Institutionen entwickelt. Angesichts der Herausforderungen, vor denen unsere Wirtschaft steht, brauchen wir diese gemeinsame regionale Handlungsfähigkeit auch künftig. Der Aufsichtsrat wird die WFG dabei unterstützen, ihre erfolgreiche Arbeit konsequent weiterzuentwickeln.“
30 Jahre Erfahrung – und der Auftrag, weiterzugehen
Das Jubiläum ist für die WFG deshalb nicht nur Anlass, auf das Erreichte zurückzublicken. Es steht zugleich für die Verpflichtung, die eigene Arbeit immer wieder an den Bedürfnissen der Wirtschaft und den Veränderungen des Standorts auszurichten.
Die Grundidee von 1996 bleibt dabei aktuell: Der Nordschwarzwald ist wirtschaftlich stärker, wenn Unternehmen, Kommunen, Wissenschaft, Kammern und Politik nicht nebeneinander, sondern miteinander handeln. Die WFG schafft dafür die notwendigen Verbindungen, Strukturen und Projekte – seit 30 Jahren und mit einem klaren Auftrag für die Zukunft.
Weitere Informationen: www.nordschwarzwald.de